Frei zu sein bedeutet nicht nur, seine eigenen Fesseln zu lösen, sondern ein Leben zu führen, das auch die Freiheit anderer respektiert und fördert. ~ Nelson Mandela


[Seitensprung] Eine Woche in Rom #frei14

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8 Kommentare
"Frei! Darum ist es erlaubt, Gutes zu tun." Das war das Motto der diesjährigen Ministrantenromwallfahrt. Etwa 50 000 Ministranten ("Minis") aus ganz Deutschland, Österreich und sogar welche aus Lettland oder Litauen - da scheiden sich die Geister, aus welchem baltischen Staat die 50 Minis kamen - haben sich in der letzten Woche in Rom versammelt und die Ewige Stadt erobert. Und ich war mittendrin!

Für viele Minis war die Papstaudienz am Dienstagabend das Highlight der Wallfahrt. Doch ich muss ganz ehrlich sagen: So toll fand ich sie gar nicht. Die Stimmung war (zumindest da, wo ich gestanden bin) längst nicht so gut, wie man in allen Berichten gehört und gelesen hat. Alle standen oder saßen unmotiviert in der prallen Sonne, eine Gruppe hat sogar Karten gespielt und das während der Andacht, die wir mit Papst Franziskus gefeiert haben. Seine Predigt war ziemlich interessant, aber ich hab leider nicht alles verstanden. Er hat das erste Mal auf Deutsch in der Öffentlichkeit gepredigt, nicht auf Italienisch, und das fast ohne Akzent. Aber die Hintergrundgeräusche waren zu penetrant und ich glaube, er hat auf Deutsch leiser gesprochen als auf Italienisch. Deswegen war es etwas schwierig, der Predigt zu folgen.



Petersplatz mit vielen Minis




Eines meiner Highlights war unsere Fahrradtour durch Rom. Unseren beiden Organisatoren von unserer Gruppe wurde das von Bekannten empfohlen und ich kann es auch nur weiterempfehlen. Am Dienstag haben wir uns am späten Vormittag Klappfahrräder ausgeliehen und sind mit vier Begleitern des Fahrradverleihs durchs Zentrum gefahren. Eine der Begleiter war Stadtführerin und hat uns zu jeder Sehenswürdigkeit, an der wir vorbeigekommen sind, einiges erzählt. Ich hab euch weiter unten die Tour aufgezeichnet, die genaue Strecke stimmt nicht ganz, aber an diesen Sehenswürdigkeiten sind wir vorbeigekommen.

Kolosseum
Gestartet sind wir an der Piazza di Porta San Giovanni. Beim Domus Aurea haben wir die erste Erklärungspause gemacht und sind anschließend am Kolosseum und am Palazzo Venezia vorbeigefahren. Der Trevi-Brunnen war die nächste Station, aber leider eingerüstet und trocken gelegt. Wenn man mit der rechten Hand eine Münze über die linke Schulter nach hinten in den Brunnen legt, kommt man wieder mal nach Rom, sagt man. Hoffentlich funktioniert das auch trotz Gerüst und ohne Wasser...

Piazza Navona



Piazza del Popolo










 

Nach dem Trevi-Brunnen sind wir an der Spanischen Treppe vorbei und zur Piazza del Popolo und anschließend zur Piazza Navona. Danach ging es zum Pantheon und zum Palazzo Venezia, bei dem wir diesmal auch angehalten haben. Damit war unsere dreistündige Tour auch schon zu Ende und wir sind wieder zu unserem Ausgangspunkt, der Piazza di Porta San Giovanni, zurückgefahren.



Das Kolosseum wollten wir am Mittwoch besichtigen, aber die Wartezeit war uns dann doch zu lang. Stattdessen sind wir zur Kirche Santa Pudenziana al Viminale, vor der eine Taube auf meinem Kopf Ballast abgelassen hat. Zum Glück hatte ich meine Pilgercap auf, sodass meine Haare nichts abbekommen haben. Eklig war es trotzdem. 

Petersdom

Am Nachmittag haben wir im Vatikan den deutschen Friedhof Campo Santo dei Teutonici e dei Fiamminghi besichtigt und einen Gottesdienst in der dazugehörigen Kirche Santa Maria della Pietà gefeiert. Später wurden wir von einem Priester, der dort tätig ist, durch die Hintertür in den Petersdom geführt und haben uns so die Wartezeit gespart. Ein Teil der Gruppe ist dann noch auf die Kuppel gegangen und hat Rom von oben angeschaut. Der Rest war zu müde, aber der Aufstieg zur Kuppel hat sich definitiv noch gelohnt. Da bekommt man erst einen Eindruck, wie groß Rom tatsächlich ist. Vorher hab ich das gar nicht wahrgenommen.

Der Petersplatz von oben



Der Petersplatz bei Nacht












Zum Blind Date der Ministranten aus verschiedenen Diözesen haben wir es zeitlich leider nicht mehr geschafft. Bei dem Blind Date haben sich mehrere Gruppen an verschiedenen Orten getroffen und sollten verschiedene Aktionen machen, die in unseren Pilgerbüchern erklärt waren.

Unser Pilertuch und unser Pilgerbuch
Am Donnerstag sind wir ans Meer gefahren. Die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln hat zwei Stunden gedauert. Danach war ich so fertig, ich hab erstmal am Strand geschlafen und mich ausgeruht. Nach der Rückfahrt war ich aber wieder so fertig wie nach der Hinfahrt...

Der Petersdom und der Tiber
Die Engelsburg
Den Freitag haben wir auch noch irgendwie rumgebracht, indem wir noch einige Sehens-würdigkeiten besichtigt haben und schließlich uns auf den Heimweg gemacht haben.




 
 
Links seht ihr noch die Lateranbasilika und rechts eine Taube, die im Eingangsbereich der Lateranbasilika wohnt. Die Lateranbasilika ist der Bischofssitz des Papstes.



So viel zu unserem Programm. Aber was wäre ein Urlaub ohne die wirklich bleibenden Erinnerungen, die meistens entstehen, weil etwas schief läuft? Zum Beispiel am Donnerstag. Wir wollten zu viert noch schnell in den Supermarkt, um Wasser zu kaufen. Am Meer gibt es anscheinend keine Trinkwasserbrunnen, wie sonst überall in Rom. Eine halbe Stunde, bevor wir mit unserem Reisebus zur Metrostation aufbrechen wollten, wollten wir eben zum Supermarkt. Vorher noch schnell auf die Toilette gehen, Händewaschen und uups, die Tür geht nicht mehr auf?! Ich hab doch gar nicht zugesperrt, weil unser Schloss doch kaputt ist und man eh nicht zusperren kann. Dann würde ich aber nicht hier eingeschlossen sein. Ganz ruhig, einatmen, ausatmen. Was ist überhaupt los?

Am ersten Tag haben wir bereits festgestellt, dass man die Badtür nicht zusperren kann. Bei Badtüren gibt es meistens keine Schlüssel, sondern feste Knäufe, die man umdrehen muss. Bei unserer Badtür konnte man den Knauf zwar drehen, aber der Riegel hat sich nicht bewegt. Und dieses eine Mal, als ich unbewusst zugesperrt hab, hat sich der Riegel anscheinend bewegt. Aber die Tür ging dann nicht mehr auf. Meine Cousine und Zimmernachbarin hat schließlich Hilfe geholt und irgendwann (nachdem jeder erstmal die Türklinke runtergedrückt hat, so als wäre ich zu blöd, die Tür aufzumachen) kam ein Handwerker und hat die Türklinke abgeschraubt und man konnte die Tür wieder öffnen. Endlich konnte ich wieder sagen singen: Ich bin frei!


Die gesamte Befreiungsaktion hat eine halbe Stunde gedauert, sodass wir gerade noch rechtzeitig zum Bus gekommen sind - ohne Getränke... ein paar Reserven hatten wir noch, damit sind wir zum Glück auch ganz gut ausgekommen. Aber an dem Tag hab ich definitiv zu wenig getrunken. Egal. Zurück zum Bus. Wir waren rechtzeitig da, aber ein paar andere haben noch gefehlt. Diese sind schließlich mit einer halben Stunde Verspätung aufgetaucht: "Wir waren noch im Supermarkt." Da fehlen mir die Worte...

Das Badtürschloss war nicht das einzig Mangelhafte im Hotel. Das Essen war ... naja, bleiben wir neutral und sagen: nicht giftig. In einem anderen Zimmer waren zwei Nägel aus der Wand hervorgestanden. Aber egal, was kann man schon großartig bei vier Sternen erwarten. Wobei ich mir jetzt im Nachhinein nicht sicher bin, ob wir uns nicht alle in etwas hineingesteigert haben, besonders was das Essen betrifft.

Und wo wir gerade bei den negativen Dingen sind, bleiben wir doch gleich dabei: Die Kriminalitätsrate ist in Großstädten ja immer besonders hoch. Ich wurde zwar nicht beklaut, aber es macht einen schon sehr fertig, wenn man in jeder Menschenmenge seine Sachen fest umklammern muss, nichts aus den Augen lassen darf und jedem Menschen misstrauen muss, der nicht wie ein Ministrant aussieht. Aber ich will mich nicht beschweren, das dürfen nur unsere beiden Busfahrer. Denn am Dienstag wurde auf einem bewachten Parkplatz unser Bus aufgebrochen. Wir Minis hatten zum Glück unsere Wertsachen alle dabei, aber dem einen Busfahrer wurde sein Tablet und Geld geklaut. Und das Türschloss war beschädigt, sodass man es nicht mehr zusperren konnte. Hmmm, irgendwoher kommt mir das bekannt vor, dass man ein Schloss nicht zusperren kann...

Jetzt aber wieder schnell zu den positiven Dingen im Leben: Bei 50 000 Deutschen in Rom ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass man jemanden kennt. Ich hab einige Bekannte getroffen, darunter meine Tante, die in der Jugendarbeit aktiv ist.

Zum Abschluss bleibt mir noch zu sagen: Diese 482400 Sekunden oder 8040 Minuten oder 134 Stunden oder ungefähr 6 Tage von der Abfahrtszeit in unserer Heimatstadt bis zur Ankunft in unserer Heimatstadt haben sich definitiv gelohnt.

Bei der nächsten Miniwallfahrt in vier Jahren bin ich (hoffentlich) wieder dabei! 

(Bitte entschuldigt, dass die Fotos so seltsam angeordnet sind, Blogger wollte mal wieder nicht so wie ich...)

Kommentare:

  1. Huuuh, wie cool, ich war auch in Rom :D
    Und bei uns war während der Papstaudienz total viel Stimmung, aber wir saßen (bzw. standen die meiste Zeit ^^) auch genau in der Mitte ^^

    Uuuh, kommst du aus Augsburg? Oder hast du dein Pilgertuch auch vertauscht? :D Ich bin mit einem Augsburger Tuch zurückgefahren ^^ ;)

    Huch, das mit der Klotür klingt ja...ähm aufregend... :D Sowas ist mir nicht passiert :D

    6 Tage? o.O Von wann bis wann wart ihr denn da? Wir waren nämlich 8 Tage weg...

    Liebe Grüße
    Chrisi

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    1. danke für deinen Kommentar :)

      Wir sind am 3.8. abends losgefahren und am 9.8. vormittags wieder zuhause angekommen. Auf der Rückfahrt haben wir übrigens zwei Geburtstage gefeiert :D

      Ja, ich bin aus der Diözese Augsburg :) Das Freiburger Tuch hat mir nicht sonderlich gefallen und sonst bin ich keinem begegnet, der mit mir tauschen wollte... aber mit dem Augsburger Tuch bin ich auch ganz glücklich :)
      Wo kommst du her?

      Dann ist ja gut, dass nur bei uns so wenig gute Stimmung war, das hätte mich auch gewundert, wenn überall so eine Stimmung wie bei uns geherrscht hätte :D

      Das mit der Klotür war auf jeden Fall interessant :D man fängt vor allem an, an sich selber zu zweifeln, wenn jeder kommt und erstmal die Türklinke runterdrückt... ich hab mich ernsthaft gefragt, was die alle von mir denken. Als wäre ich zu blöd eine Tür aufzumachen :D Aber ich war pünktlich am Bus :D

      Liebe Grüße
      Lioba

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    2. okay... wir sind auch am 3.8 (aber vormittags) losgefahren, aber erst am 11.8. vormittgs wieder angekommen... ;)

      Ich komme aus Limburg (Diözese), unser Tuch hatte die gleichen Farben einfach umgedreht ^^ (gelber Untergrund, rotes frei)

      Haha, ja, das glaub ich auch :D (das mit der Türklinke ^^)

      Liebe Grüße :)

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    3. um diese zwei Tage, die ihr länger in Rom wart, beneide ich dich :) es war eine echt tolle Zeit ;)

      Dann hattet ihr ja noch ein paar Stunden länger Fahrtzeit als wir... da bin ich echt froh, dass ich so weit aus dem Süden komme :)

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  2. Mannmannmann. Wir waren von Kolping aus (Kannst du recherchieren, auf kolping.de zum Beispiel, falls du nicht weißt was as ist. Ich bin Mini-Verweigererin, weiß selber nicht mehr warum, aber seit der Vierten ist es so ;) auch auf einer Romwallfahrt und ich hatte auf meinem Blog eigentlich auch vor mal einen ellenlangen Post drüber zu schreiben, bin aber irgendwie nie dazu gekommen... das war in den Pfingstferien...
    Andererseits, vielleicht schreibe ich ihn trotzdem mal zu Ende, denn irgendwie bekomme ich grade richtig Lust darauf...
    Bei der Papstaudienz (Also, als wir an Pfingsten dort waren) hatte ich ziemlich das Gefühl, dass der Papst sich nicht an seinen Text gehalten hat und dafür über wirklich wichtige Dinge geredet hat, die dann aber bei der deutschen Predigt des vorgefassten Textes nicht drin waren...
    Mit den Fotos bei Blogger hatte ich auch schon so manche liebe Not...
    @Chris Limburg. Da könnte ich jetzt ein paar böse Worte loslassen, aber ihr konntet ja nix für euren Bischof ;) Leider fällt mir nichts kreativeres dazu ein :P

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    1. erstmal danke für deinen Kommentar :)

      Kolping sagt mir schon etwas, ich war auf einigen Veranstaltungen, bei denen auch Kolpingleute waren :)
      schreib doch bitte deinen Post, dann muss ich dir hier nicht tausend Fragen stellen, wie viele ihr wart, wie lange ihr dort wart und so weiter. :D
      Das ist aber blöd, wenn man gar nicht das "Echte" übersetzt bekommt...

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    2. Ich finde es aber trotzdem irgendwie cool von Franziskus, denn man hat irgendwie gemerkt, dass er was gesagt hat, das quasi rebellisch war (rebellisch nach Kirchenverhältnissen...) und dass die Übersetzer nur stumpf den Text abgelesen haben, war nur deshalb doof, weil es interessant gewesen, zu wissen, was er wirklich sagen wollte.

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    3. da bin ich mal gespannt, was er so in der Kirche verändern wird. Über das haben wir auf der Rückfahrt von Rom schon diskutiert. Einige meinten, dass er wie sein Vorgänger doch relativ konservativ ist, nur dass er sich besser verkauft und eben mehr mit den Menschen zu tun haben will...

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