Frei zu sein bedeutet nicht nur, seine eigenen Fesseln zu lösen, sondern ein Leben zu führen, das auch die Freiheit anderer respektiert und fördert. ~ Nelson Mandela


Meinungslos zur Flüchtlingssituation?!

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10 Kommentare
Österreich legt eine Obergrenze fest, CDU/CSU fordern einen Rücktritt der Bundeskanzlerin, auf facebook lese ich Kommentare wie: "Hört auf die Gesellschaft in zwei Lager zu Spalten, SONST SEID IHR MIT SCHULD, an einer potentiellen Kreise oder gar einem Bürgerkrieg!" Jan Böhnermann kommentierte den Vorschlag Andreas Scheuers, dem Beispiel Österreichs zu folgen: "Wenn uns Deutsche die Geschichte eines gelehrt hat, dann dass die Österreicher politisch immer die allergeilsten Ideen haben." Ist ein neuer Bundeskanzler die Lösung? Angela Merkel wird kaum noch die Gelegenheit gegeben, ihren Kurs zu ändern. Sie hat nicht einmal die Chance, einen Kompromiss umzusetzen, weil contra-Merkel-Menschen dies sonst ausnutzen werden. Und die Integration der Flüchtlinge so unmöglich machen würde. Ein Rücktritt Merkels ist gleichzusetzen mit Kapitulation, mit dem Eingeständnis, dass wir die Flüchtlinge (bzw. zumindest einen Großteil von ihnen) abweisen hätten sollen.

Hätte, hätte, Fahrradkette – der Konjunktiv bringt uns aber nicht weiter. Um zukünftig Entscheidungen treffen zu können, die als "richtig" gelten, hinter denen Deutschland steht und durch die wir positiv in die Zukunft schauen können, sollten wir einen Schritt zurückgehen und die gesamte Situation aus der Ferne betrachten, von außerhalb, mit außerirdischen Augen, empathisch. Unsere Meinung abschalten und sämtliche Szenarien durchgehen. Unsere Möglichkeiten betrachten und Mitstreiter finden. Wir müssen das Kindergartenniveau verlassen und den EU-Staaten, unseren Verbündeten, unseren Freunden, auf neutraler Ebene begegnen und ihnen einen attraktiven Vorschlag für die gemeinsame Lösung machen. Denn es sollte nicht pro-Asyl und contra-Asyl geben, sondern nur die, die in Frieden leben, und die, deren Leben vom Krieg geprägt ist. Das sollte ein erstes Ziel sein, zurück zu den Anfängen. Und dann kann man beginnen, den durch Krieg bedrohten Menschen Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten, um ihnen zu einem lebenswerten Leben zu verhelfen.
Und kleine Luxuskrisen schaffen, denn der Mensch kann nicht vollkommen friedlich leben. Traurig, aber wahr.

Kommentare:

  1. Hach, mich kotzt (sorry) es auch an, dass kaum einer Flüchtlinge als Menschen sieht. Ich bin ja immer gedanklich versucht, jeden aufzunehmen, weil mich diese traurigen Lebensgeschichten immer wieder aufs Neue berühren, aber mir ist auch klar, dass das praktisch nicht umsetzbar ist.
    Dennoch, sich ein bisschen öfter klarzumachen, was diese Menschen durchgemacht haben, wäre vielleicht mal ganz hilfreich.

    Liebe Grüße ♥

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    1. Richtig, es sind auch nur Menschen. Menschen, die aus einer komplett anderen Kultur kommen und sich deshalb anders verhalten, als wir es erwarten, aber es sind Menschen. Mal sehen, wohin sich Deutschland noch entwickeln wird...

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  2. Ich find diese Rücktrittsrufe am aller nervigsten. Ich glaube nicht, dass nur irgendein anderer es besser hätte machen können. Vielleicht hätte diese Regierung ein bisschen besser vorrausdenken können, denn in Syrien ist nicht erst seit letztem Jahr Krieg. Andererseits gibt es Gesetze und Menschenrechte, die eingehalten werden müssen. Und ehrlich gesagt kotzt es mich mehr an, dass Extrakosten entstehen, weil irgendwelche Idioten Heime anzünden und Fußballfans ganze Städte auseinandernehmen, als dass wir für geflohene Menschen aufkommen.

    Liebe Grüße,
    Susanne

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    1. Rücktrittsrufe, Brandanschläge auf Heime, eigentlich sind nicht die Flüchtlinge das Problem, sondern die Einheimischen. Wenn wir (und damit meine ich nicht nur Deutschland, sondern alle europäischen Staaten) besser organisiert wären, wäre das relativ leicht zu schultern. Aber da scheinen ein paar den Sinn der EU nicht verstanden zu haben und ein paar andere den grundlegenden Gedanken des Christentums, das unser Abendland ja angeblich so prägen würde...

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  3. Dank Grundgesetz ist es ja eigentlich (und zum Glück) nicht möglich, eine Obergrenze für Flüchtlinge einzuführen.
    Ich finde es problematisch, wenn glaubt, man könnte die Flüchtlinge in nur wenigen Jahren wieder zurück nach Syrien schicken. Natürlich werden die meisten bleiben und natürlich ist es viel schlauer, sofort zu integrieren, als irgendwie abzuwarten, bis sich was ergibt. Bei den Gastarbeitern in den 50ern und 60ern ist man ja auch davon ausgegangen, die würden schon bald wieder gehen und wir wissen ja, was aus dem "die sind nur vorübegehend zu Gast da" geworden ist. Pustekuchen. Ich denke auch jedes Wochenende, wenn mein Kopf endlich frei ist, heute gehe ich zum Freundeskreis Asyl und engagier mich da, aber dann lenke ich mich doch mit banalen Sachen ab...

    Weiß nicht, ob man einfach nur vom "Kindergartenniveau" in der EU sprechen kann. Ungarn hat ja sehr an der Finanzkrise gelitten und ist einfach in einer ganz anderen Lage als Deutschland, aber so etwas sehen wir von hier natürlich nicht so klar. Klar, man kann auch als armes Land helfen, aber Deutschland ist auch für die Flüchtlinge das attraktivste Land in der EU und das nicht erst seit diesem Sommer. Das Problem ist, wir glauben immer, alles perfekt machen zu müssen.

    Deutsche Gastfreundschaft: Ich biete ein eigenes Zimmer plus Bad für den Gast und kann jederzeit für ihn bereitstehen, in allen Fragen. Wenn ich all das nicht tun kann, und der Gast bei mir auf der Couch schlafen muss, ich ihn morgens allein in der Wohnung lassen muss, weil ich früh arbeiten gehe? Dann auf keinen Fall! In Paraguay haben in den Gastfamilien mehrere Leute in einem Bett geschlafen und es war ganz okay. Und das waren Leute, die für deutsche Verhältnisse fast nichts hatten, auch wenn sie für Paraguay zur Mittelschicht gehört haben. Wir glauben es ist unmöglich. Aber Smartphones sind Luxus, wenn ICH doch schon auf diesen Schnickschnack verzichte, warum sollten dann Flüchtlinge das haben? Selbst meine Mutter kommt damit.
    Wenn wir Luxuskrisen haben, dann sollte der Rest der Welt das auch so haben dürfen :D

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    1. Ich denke auch, die meisten werden bleiben. Umso wichtiger ist, dass man eine dauerhafte Lösung findet.

      Naja, das Kindergartenniveau war vor allem auf Deutschland bezogen, z.B. will Seehofer die Regierung vor dem Bundesverfassungsgericht verklagen. Das finde ich schon etwas übertrieben. Ich finde es zwar nicht okay, was unsere Regierung da treibt, aber ich bezweifle, dass ein Streit vor dem BVerfG uns in der Flüchtlingssituation weiter bringt.

      Nichts gegen Luxuskrisen, aber warum schaffen wir es nicht, ohne Streit zu leben? Jeder Versuch endet dystopisch, da gibt es genug Bücher, die sämtliche Szenarien durchspielen.

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  4. In den Nachrichten hieß es erst kürzlich, einige Flüchtlinge hätten ohne Widerstand von Seiten der Regierung aus Griechenland nach Deutschland kommen können. hallo?! Wie konnte das passieren? Wenn selbst die Medien die Flüchtlinge schon als Bedrohung und nicht als Schutzsuchende darstellt - kein Wunder, dass die Meinungen im Land so gespalten sind. Und ich finde es ehrlich gesagt zum Kotzen, dass Geschichten wie Köln so breit ausgewälzt werden. Wären die Vergewaltiger deutsch gewesen, wären die schlimmen Nachrichten vermutlich viel früher verebbt.
    Aber klar, die Flüchtlinge liegen nur auf der faulen Haut und klauen uns die Jobs - allein das ist schon paradox genug. Das meinte zumindest ein Kroate im Bahnhof in Berlin... Nicht, dass die Jugoslawen damals auch zum Arbeiten nach Deutschland gekommen wären... Aber bei denen war das natürlich was anderes als bei den Arabern, sagt der zwielichtige Typ.
    Während wir Flüchtlinge in Wirtschafts- und Kriegsflüchtlinge aufteilen, kommt uns langsam aber sicher die Menschlichkeit abhanden.
    Trotzdem sehe ich natürlich absolut ein, dass Pläne zu verwirklichen sein müssen - in sofern ist dieses Gemecker auf Presse und Regierung vielleicht etwas hart - aber ich glaube, wenn wir alle uns mal etwas mehr Mühe geben würden, anstatt immer nur zujammern und nicht zu helfen (ich nehme mich da leider selbst nicht aus!), würde auch diese Krise viel schneller zu lösen sein.
    Was meinst du mit Luxuskrisen?
    Liebe Grüße,
    Vi

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    1. Was mich zur Zeit so extrem nervt, bei jeder Straftat steht was zur Herkunft dabei. Dabei ist das vollkommen irrelevant – sollte man zumindest meinen... Hmm, wobei ich finde, die Berichterstattung in den Medien ist schon eher pro-Asyl ausgerichtet.

      Da hast du Recht, wenn jeder irgendwie mithelfen würde, würden wir die Situation besser meistern. Aber ich finde, man reflektiert das Thema zu wenig. Vor allem in der Schule, aber auch generell.

      Naja, Menschen sind nie zufrieden. Wir brauchen immer was, worüber wir uns aufregen können, oder jemanden, mit dem wir uns die Köpfe gegenseitig einschlagen. Und wenn es so etwas wie Weltfrieden gäbe (ja, ich träume), dann brauchen wir viele kleine Luxuskrisen (z.B. der VW-Abgas-Skandal oder Beziehungskrisen würden vermutlich auch schon reichen), damit nicht irgendjemand auf die Idee kommt, einen Weltkrieg anzuzetteln (wobei ich nicht ganz ausschließen würde, dass eine Beziehungskrise nicht auch zu einem Weltkrieg führen könnte :D). Aber wahrscheinlich wird es eh nicht so weit kommen...

      Viele Grüße
      Lioba

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    2. Ja, von Weltfrieden träume ich auch - schön finde ich auch einfach "Stell dir vor es ist Krieg und niemand geht hin". In der Schule hatten wir gerade Berufsberatung und solche Dinge - bei dem Themengebiet "Bundeswehr" sind leider ziemlich viele Schüler hängengeblieben: Auf der einen Seite die kampfbegeisterten Soldaten in Spe und dann noch diejenigen, die nur "zum Pöbeln" gekommen sind - was ich im Übrigen ziemlich lobenswert finde.

      Ja, du hast Recht, die Medien sind schon eher pro-Asyl. Aber das finde ich im Moment, wo die Bevölkerung sich in der Flüchtlingsfrage so zu spalten scheint, auch angebracht. Gerade habe ich das Gefühl, dass einige Menschen mal wieer auf die gerade Bahn gebracht werden müssen. Aber ich hatte die Debatte gerade mit meinem Vater und da habe ich die Ansicht vertreten, man könne Menschen (manchmal leider!) nicht zu ihrem eigenen Glück zwingen. Eigentlich bin ich nämlich ein großer Freund eben dieser Meinungsfreiheit. Solange die Menschen ihren Frust in irgendwelchen Foren auslassen, habe ich damit absolut kein Problem - sobald es aber zu Handgreiflichkeiten oder dem Anzünden von Flüchtlingsheimen kommt, finde ich die Sachlage schon wieder äußerst kritisch. Deshalb denke ich schon, dass man auch anonyme Hetzer im Internet strafrechtlich verfolgen sollte - nur, wie soll das gehen und wer kümmert sich um solche aufwändigen Vorgänge. Da sehe ich den Nachteil in unseren heutigen sozialen Netzwerken.

      Ich denke schon, dass wir uns in einer Krisensituation befinden - ob es nun zum 3. Weltkrieg kommt, weiß ich nicht, wage ich aber auch zu bezweifeln. Wenn überhaupt, werden sich die großen Staaten vermutlich Stellvertreterkriege liefern und ihre Konflikte in den ohnehin zerstörten Ländern im nahen Osten austragen...

      Trotz dieses traurigen und unschönen Themas finde ich echt gut, dass du so etwas in deinem Blog ansprichst - und auch ziemlich mutig!

      Liebe Grüße
      Vi

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    3. Diese gespaltene Bevölkerung, das nervt mich ganz besonders. Wenn alle an einem Strang ziehen würden, wäre die aktuelle Flüchtlingssituation eine ganz andere.
      Meinungsfreiheit hin oder her – ich finde, auch verbale Gewalt geht zu weit. Und mit verbaler Gewalt meine ich unbegründete Statements, die am besten noch auf längst überholten Vorurteilen beruhen. Wenn jemand Bedenken oder eine (meinetwegen auch krasse) Gegenmeinung äußert, die gut begründet sind, okay.
      Problematisch bei strafrechtlicher Verfolgung ist auch die Frage, wo fängt Hetze an, wo hört die Meinungsfreiheit auf? Alles nicht so einfach...

      Stellvertreterkriege oder irgendwann, wenn wir alle richtig technikabhängig sind, dass ohne PC/Handy gar nichts mehr geht, dann wird alles virtuell ausgetragen. Vielleicht.

      Nun ja, mein Blog ist wohl auch so ziemlich der einzige "Ort", wo ich meine Meinung dazu loswerden kann, im Alltag und ganz besonders in der Schule bleibt da leider keine Zeit für...

      LG Lioba :)

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